Crashkurs NRW - echt harte Realität oder nur Gerede?

„Wer schon mal einen Autounfall hatte oder Freunde und Familie hat, die an einem beteiligt waren, sollte unbedingt zuhause bleiben!“, „Ihr müsst vorher auf jeden Fall etwas frühstücken, letztes Jahr sind einige Schüler umgekippt, die vorher nichts gegessen hatten!“ oder auch: „Wenn ihr wollt, könnt ihr hinterher in kleiner Runde über eure Gedanken sprechen und euch austauschen.“

Das haben Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1 und Q2 des K-A-G bereits Wochen vor dem „Crashkurs NRW - Realität Erfahren. Echt hart.“ von allen Seiten gehört.

Der Crashkurs NRW ist eine Veranstaltung, die bewusst schockt. Mit diesem Konzept will die Kreispolizeibehörde Mettmann junge Autofahrer dazu bewegen, sich im Straßenverkehr verantwortungsvoller zu verhalten. Schließlich ist der Großteil der Unfallverursacher im Kreis Mettmann zwischen 18 und 25 Jahren alt. Doch sind die von Polizisten, Notärzten, Rettungssanitätern und Seelsorgern berichteten Geschehnisse wirklich so eindringlich und abschreckend, dass Schülern vom Zuhören schlecht wird?

Am 31. August war es soweit. Zusammen mit Schülerinnen und Schülern der Bettine-von-Armin-Gesamtschule versammelten sie sich in der Schützenhalle in Richrath. Zu Beginn herrschte noch mehr oder weniger gespanntes Gemurmel, da anscheinend nicht nur am K-A-G vorher Ankündigungen bezüglich der Vorträge gemacht worden sind.

Fünf Gastredner saßen im Hintergrund. Zwei Polizeibeamte, ein Rettungssanitäter, ein Notarzt und ein Notfallseelsorger. Jeder hatte eine Geschichte mitgebracht. Der erste Polizeibeamte erzählte von einem jungen Mann, der nach einem Unfall in seinem Auto eingeklemmt war und herausgeschnitten wurde. Noch kein großer Schock.

Mit jeder Person wurden die Geschichten heftiger, denn anschließend berichteten ein Rettungssanitäter und ein Notarzt von spektakulären Fällen. Ein betrunkener Autofahrer, dessen Leiche aus dem aufgestemmten Autodach geborgen werden musste, oder ein Schwerverletzter, der mit einem Hubschrauber abtransportiert werden musste, der die Last von Pilot, Patient, Sanitäter und Notarzt eigentlich gar nicht heben konnte. Unterstützt wurden alle Präsentationen von Bildern, die entweder am Unfallort direkt für polizeiliche Ermittlungen geschossen wurden oder die im Nachhinein nachgestellt wurden.

VerkehrsunfallCrashKurs_klein.jpg

 

Dem vierten Redner, einem Polizisten, gelang es, die Gedanken und Emotionen der Jugendlichen zu lenken, während er berichtete, wie er an einem Tag sowohl einer Schwester, als auch der Mutter berichten musste, dass ihr 19-Jähriger Bruder und Sohn tot sei. Es gelang ihm, auf jeden Zuhörer persönlich einzugehen, indem er sagte: „Ich will nicht euren Eltern erzählen müssen, dass ihr tot seid, nur weil ihr auf dem Nachhauseweg vom Club zu betrunken wart, um euch anzuschnallen. Dass eine dumme Blödelei eines Betrunkenen auf dem Rücksitz zwei junge Menschen das Leben gekostet hat. Dass eure Eltern ihren Sohn lieber nicht noch ein letztes Mal sehen würden, weil der Körper und das Gesicht von dem Sturz durch die Frontscheibe und dem darauffolgenden Aufprall auf dem Asphalt so entstellt sind, dass der Mensch dahinter nicht mehr zu erkennen ist.“ Nach diesen Worten herrschte Stille im Saal.

„Diese Unfälle hätten so leicht verhindert werden können.“ Ein Satz, den sie fast alle sagten. Es waren kleine Dinge, die letztendlich zu den Unfällen geführt haben. Zu schnelles Fahren oder angetrunkenes Fahren. Wer nicht angeschnallt ist, der überlebt einen Unfall oft nicht oder wird zum Pflegefall.

Ein Nofallseelsorger musste einem Elternpaar sagen, dass ihre 14jährige Tochter bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Er berichtete davon, wie er versuchte, Trost zu spenden und für die Eltern da zu sein. Abschließend richtete er sich an die Zuschauer: „Ich hoffe, dass ich niemals bei euch klingeln muss.“ - Worte, die einem im Gedächtnis bleiben.

„Crash Kurs NRW - Realität erfahren. Echt hart.“ ist eine Veranstaltung, die weiterempfohlen werden kann, da sie die Augen für die Realität der Unfälle im Straßenverkehr öffnet. Es ist kein Theaterstück, über das man später lachen kann, sondern es sind wahre Fälle, die ein allgemeines Bewusstsein für die katastrophalen Folgen von Alkohol oder genereller Unachtsamkeit am Steuer schaffen. Und welches man sich vielleicht wieder vor Augen führen kann, wenn man das nächste Mal vielleicht wieder selbst hinterm Steuer sitzt oder als Beifahrer in ein Auto einsteigt.      

(Beitrag der Schreibwerkstatt Q1)