Begabtenförderung - Enrichment

„Intelligent ist, wer Herz und Verstand so mit Kreativität zu paaren weiß, dass daraus der entscheidend praktische Erfolg wird.“ (Robert Sternberg)

Das Gymnasium muss ein Lernort sein, an dem leistungsstarke und potenziell besonders leistungsfähige Schülerinnen und Schüler eine spannende Lernumgebung und Förderung vorfinden.

Das Konrad-Adenauer-Gymnasium Langenfeld hat sich im Jahr 2013 in Zusammenarbeit mit dem Competence Center Begabung (CCB) der Stadt Langenfeld dazu entschieden, ein Enrichment-Programm für ca. 12 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 6 zu implementieren, die ihr hohes Potential im schulischen Kontext nicht angemessen zeigen können („Underachievment“), und den Lehrpersonen im schulischen Geschehen diesbezüglich aufgefallen sind.

Im KELS-Programm werden die Ressourcen des Bildungsumfeldes einer Schülerin bzw. eines Schülers intensiver miteinander vernetzt. Der Zusammenschluss der einzelnen Bereiche (Kind, Eltern, Lehrer, Stadt) bildet den Grundgedanken des Programms. Es soll dazu dienen, (hoch)begabte Schülerinnen und Schüler in der Umsetzung des individuellen Leistungspotentials in persönlich definierten Leistungszielen zu unterstützen.

Den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern wird in sechs erlebnispädagogischen Kursmodulen, die sich am Vorbild des niederländischen „Vooruitwerklab" orientieren, die Gelegenheit gegeben, sich selbst und die eigenen Möglichkeiten besser kennenzulernen und diese einzusetzen. Das Förderkonzept wurde von Dr. Els Schrover, Centrum voor Begaafdheidsonderzoek (CBO) der Radboud Universität Nijmegen, entwickelt und baut auf Robert Sternbergs Konzept der „Erfolgsintelligenz“ auf. Für diesen stellt die wohl am meisten beachtete „analytische Intelligenz“ lediglich einen Teilaspekt neben der „kreativen“ und „praktischen Intelligenz“ dar. Der Schlüssel für eine „Erfolgsintelligenz“ liege somit in einem Zusammenspiel dieser Intelligenzen. Geleitet, organisiert und evaluiert werden die Schüler-Module von zwei Lehrkräften, Frau Unterbirker und Herr Schwanke, beide mit ECHA-Ausbildung („Specialist in higher Education“, verliehen vom „European Council for High Ability“).

Parallel zu den Fördereinheiten besuchen die Eltern unter der Moderation des niederländischen Experten, Dr. Willy Peters, einen Elternkurs. Hier erhalten die Eltern eine Einführung in das praxisorientierte 10-Punkte-Programm von Michael D. Whitley, das bezeichnenderweise den Titel „Bright Minds, Poor Grades“ (2001) trägt und Eltern nicht nur die Thematik Underachievment unter anderem auf der Basis von ausgewählten Praxisbeispielen näher bringt, sondern auch konkrete Hilfestellungen, Strategien und Handlungshinweise für den Umgang mit ihren Kindern erarbeitet, anwendet und anschließend evaluiert.

Darüber hinaus erfolgt zu Beginn des Programms und am Ende jeweils eine Beratung (Netzwerkgespräche). Hier werden zu Beginn gemeinsame Ziele definiert und abschließend die Ergebnisse des Projektes reflektiert. Außerdem wird eine freiwillige Diagnostik durch den erfahrenen Psychologen Dr. Robin Pflüger (CCB Langenfeld) angeboten. Die Netzwerkgespräche bilden so zu sagen einen Rahmen für die sechs Module. Gesprächsteilnehmer sind hier in der Regel das Kind, der Klassenlehrer und/oder ein KELS-Koordinator, mindestens ein Elternteil und ein Psychologe des CCB.

Obendrein erfolgten in der Vergangenheit schulinterne Lehrerfortbildungen zum Thema Hochbegabung und Underachievment, die von einer externen niederländischen Moderatorin mit ECHA-Diplom durchgeführt wurden, um die Lehrkräfte für diese Phänomene zu sensibilisieren.

Das Konzept verfolgt das Ziel einer Sichtung und vor allem der umfassenden Förderung von Underachievern durch eine bewusste und produktive Vernetzung von Kind, Eltern, Lehrern und Stadt (letzteres vertreten durch das CCB). Der Kulturtransfer (NL./D.) ist ein positives Begleitelement der Förderintervention. Das Programm ist ein zentraler Baustein des umfassenden Programms zur Begabtenförderung am Konrad-Adenauer-Gymnasium Langenfeld.

Seit dem Schuljahr 2016/2017 erfolgt zudem als Pilotversuch für sehr begabte Schülerinnen und Schüler im Rahmen der „Förderbänder“ der 7. Klassen ein Enrichment-Kurs. Bei diesem Angebot können die Teilnehmer sich vertieft mit einem Thema ihrer Wahl auseinandersetzen, das an kein Fach gebunden ist. Als Kooperationspartner und Lernort konnte die Stadtbibliothek Langenfeld gewonnen werden, die nicht nur ihre analogen und digitalen Ressourcen zur Verfügung stellt, sondern auch in einem Kursmodul eine Lerneinheit zum Thema Recherchetechniken durchführt. Des Weiteren findet, durchgeführt von Herrn Dr. Robin Pflüger, eine Kindervorlesung zum Thema Hochbegabung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Kongressraum des Rathauses der Stadt Langenfeld statt. Der betreuende Kurslehrer, Herr Schwanke, steht den Schülerinnen und Schülern beratend als Lerncoach zur Seite. Dieses Kursangebot richtet sich an besonders begabte, motivierte und leistungsstarke Schülerinnen und Schüler. Die Nomination für diesen Kurs erfolgt durch die Lehrerinnen und Lehrer der jeweiligen Klassenkonferenz auf Grundlage des Notenbildes. Die nominierten Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern werden dann darüber informiert, dass sie am Enrichment-Kurs teilnehmen dürfen und das Programm wird ihnen vorgestellt. Am Ende des Kurses erfolgt eine Präsentation der Schülerergebnisse für die gesamte Schulgemeinde in Form einer Ausstellung. Die genaue Art der Präsentation bestimmen und organisieren allerdings die Teilnehmer. Angereichert wird das Angebot ebenfalls durch erlebnispädagogische Module, die die Schüler in ihrer Selbstwahrnehmung stärken und ihnen dabei helfen sollen, ihre Potenziale noch genauer zu erkennen und zielbewusster einzusetzen. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist zudem, dass die Schülerinnen und Schüler klassenübergreifende Bekanntschaften machen können und somit eine Vernetzung unter „Gleichgesinnten“ stattfindet.

Am ersten Enrichment-Kurs nahmen dieses Jahr 11 Schülerinnen und Schüler erfolgreich teil.

Aufgrund der positiven Erfahrungen der laufenden Pilotphase wurde im Rahmen der aktuellen Unterrichtsplanung zudem beschlossen, im Schuljahr 2017/2018 weitere Enrichment-Kurse in die Förderbänder der Klassen 6 und 8 zu installieren.

Themengebiete des Enrichment-Kurses 2017:

Lego-Brickfilm; Wie schreibt man einen Bestseller?; Leben in der Tiefsee; Widerstand im Nationalsozialismus; Doping im Leistungssport; Der Regenwald; Internet und Internetnutzung bei Jugendlichen; Videospiele-Klassiker; Graffiti

Ansprechpartner und involvierte Lehrkräfte:

Frau Martina Weiß, stellvertretende Schulleiterin des KAG Langenfeld

Frau Andrea Unterbirker, Koordinatorin KELS, ECHA-Diplom

Frau Christiane Stiebel, Koordinatorin individuelle Förderung

Herr Stephan Schwanke, Schülermodule KELS, Enrichment, ECHA-Diplom.