Drogen & Alkohol: (K)ein Thema?

,,Los, nimm!'', sagt Maja und hält einer Schülerin ein Shot Glas vor das Gesicht.

Die Schülerin greift grinsend zu und leert den kleinen Becher in einem Zug. Alle lachen. Keiner schreitet ein, als immer mehr Alkohol ins Spiel kommt. Selbst das Angebot von selbstgedrehten Joints interessiert die anwesenden Lehrer nicht. Erst als Maja bewusstlos zusammenbricht und die schwerverletzte Leonie ins Krankenhaus kommt, ist die Show vorbei. Damit hat keiner von uns gerechnet. Geschockte Stille. Applaus ertönt. Die beiden Schauspielerinnen der Gruppe Bühnengold verbeugen sich vor den Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe. Bühnengold ist eine Theatergruppe, die sich auf Präventionstheater spezialisiert hat. Dabei thematisieren sie in ihren Stücken Internetkriminalität, Drogen, Cybermobbing, Alkoholkonsum, Erwachsenwerden, persönliche Grenzen und Rassismus. Diese Themen werden provokant dargestellt und nach dem Theaterstück in Form von Nachbesprechungen und Workshops weiterbehandelt.

In dem Stück ,Saufen – all night long – Feiern Kotzen Koma – Heute ist alles egal', welches an unserer Schule präsentiert wurde, geht es um zwei 15-jährige Freundinnen, Leonie und Maja, die sich nach langer Zeit in der Großstadt Berlin wiedersehen. Leonie möchte dies  mit einem Wochenende im Club und Alkohol feiern, einerseits wegen ihrer Wiedersehensfreude, andererseits um ihre familiären Probleme zu vergessen. Das eskaliert jedoch, als Leonie die Freundschaft in Frage stellt, weil Maja, die ,langweilige Spießerin vom Land', sich nicht mit ihr betrinken möchte. Das Stück endet damit, dass beide Mädchen verletzt sind – Maja bewusstlos und Leonie nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus.

Im Anschluss an die Inszenierung gab es eine 30-minütige Nachbesprechung. Das gab uns Schülern die Möglichkeit selbst Fragen zu stellen, bzw. auch Fragen von den Schauspielerinnen zu beantworten. Dabei ging es vor allem um die Theatergruppe und um die Erfahrungen von uns Schülern mit Alkohol und Drogen. Wir sollten darüber nachdenken, welche Hintergründe zu dem übermäßigen Alkoholkonsum von Leonie geführt haben und was wir gegen eine solche Problematik tun könnten. Das ganze Stück zielte auf die Selbstreflexion und Identifikation ab. Während der Nachbesprechungen waren die meisten Schüler unserer Stufe eher zurückhaltend, was eventuell daran gelegen haben könnte, dass Lehrer anwesend waren. Die Anwesenheit war jedoch notwendig, da es in der Aula sonst viel zu laut gewesen wäre. Dennoch bekamen wir den Eindruck, dass manche nicht frei vor den Lehrern über ihre Alkoholerfahrungen sprechen wollten.

Nach der Besprechung ging es dann in den Workshops weiter. Nacheinander in Doppelstunden mit mindestens 40 Schülern pro Workshop haben wir den sogenannten Wodka-Baum erstellt. Dieser bestand aus verschiedenen Alkoholsorten und positiven und negativen Folgen durch Alkohol. Danach wurde im Workshop ein großer Schwerpunkt auf das szenische Spielen gesetzt. Wir wurden in zwei Gruppen eingeteilt und mussten verschiedene Übungen durchführen, um lockerer zu werden, unsere Kreativität zu fördern und richtige Atemtechniken anzuwenden. Später sollten wir in Kleingruppen Szenen zum Alkoholkonsum erarbeiten und diese vor unseren Mitschülern vorführen. Dabei ging es hauptsächlich um Gewalt und Kriminalität im Zusammenhang mit Alkohol und Drogen, aber auch um Trunkenheit im Straßenverkehr. In der Szene sollte es immer ein Opfer, einen Täter und einen Held, der das Opfer aus seiner misslichen Lage befreit, geben. Das Ziel der Schauspielerinnen war es, uns dazu zu bringen, uns in die Lage der Menschen hineinzuversetzen und zu verstehen, dass der Konsum von Alkohol und Drogen durchaus gefährlich sein kann. Vielen Schülern war es jedoch unangenehm, vor den Mitschülern eine betrunkene Person zu spielen, was die Arbeit in den Gruppen und das Vorführen der Szenen deutlich erschwerte. Außerdem haben dies einige Schüler nicht ernst genommen und das Thema ins Lächerliche gezogen.

Nach dem Theaterstück hatten wir eigentlich einen anderen Verlauf des Workshops erwartet. Wir dachten, wir würden nochmal genau ins Detail gehen, von wegen, was genau zu übermäßigen Konsum führen kann; wie schlimm die Folgen wirklich sind; woran man merkt, ob man vielleicht selbst schon süchtig ist oder wie man aus dieser Sucht wieder herauskommt. Einige Schüler berichten sogar, dass das Theaterstück ihnen vermittelt hat, dass man mit Alkohol Kummer und Schmerz vergessen kann und sie sich eine Aufarbeitung im Workshop gewünscht hatten. Natürlich sind sich diese Schüler der Gefahr bewusst, haben sich aber dennoch mehr von diesem Tag erhofft. Wir hatten das Gefühl, dass der Workshop eher dazu diente, uns im schauspielerischen Sinne zu unterrichten, obwohl das Theaterstück am Morgen so viele Gesprächsthemen und Erläuterungen mit sich brachte. Alles in allem war der Tag jedoch sehr interessant, vor allem das Theaterstück, welches allein von zwei Frauen auf die Beine gestellt wurde. Der Workshop an sich hat auch Spaß gemacht, aber nur nicht den Sinn und Zweck einer Prävention (wie wir sie erwartet hatten) erfüllt.

Insgesamt sind Sucht und Drogen wichtige Themen, über die man heutzutage nicht mehr schweigen sollte. Viele Jugendliche befinden sich schon auf dem Weg in eine schlimme Sucht. Daher einen großen Dank an Frau Lorenz und Herrn Rettner, die für uns mit größter Mühe einen solchen Tag gestaltet haben und versuchen, uns zu zeigen, dass die Gefahren von Alkohol und Drogen zu groß sind und unser Leben zu wertvoll, um dieses durch Alkohol- und Drogenmissbrauch zu zerstören.

Kim Kunk (EF)