Musik - Jerusalem

 
Plakat zum Musical Jerusalem

 

„Jerusalem weint! 21 Menschen an der Klagemauer erschossen.“ So lautet eine Schlagzeile der Bild-Zeitung 1990. „Wenn ich nicht wüsste, dass diese Überschrift schon 19 Jahre alt ist, würde ich es auch glauben, wenn es heute in der Zeitung steht“, sagt Chorleiter Markus Pytlik und hält den Zeitungsausschnitt in die Luft. Kurz darauf beginnt das von ihm arrangierte Konzert namens „Jerusalem“.

Seit 1990 sammelt Markus Pytlik weitere Zeitungsartikel über Jerusalem und er beschäftigt sich mit der Stadt wie sie in der Bibel beschrieben wurde, wie sie heute ist und wie Propheten sie in der Zukunft darstellen. Aus diesem Interesse wurde eine Komposition, „eine imaginäre Reise in die Stadt der Psalmen, die Hauptstadt Israels und die Symbolstadt des himmlischen Friedens“, wie er sie selbst nennt. Es gibt keine Handlung im eigentlichen Sinn - der rote Faden ist die biblische und historische Geschichte Jerusalems, die in überwiegend geistlichen Texten und Liedern dargestellt wird.

Der Schulchor des Konrad-Adenauer-Gymnasiums präsentierte vergangenen Sonntag und Montag zusammen mit einer extra für die Aufführungen gegründeten Band und mit Solisten der Musical-AG dieses etwas außergewöhnliche Programm. Anfangs wurde das „alte Jerusalem“ vorgestellt. Das Bühnenbild bestand aus vier Leinwänden, die die Wüstenlandschaft, die Pilgerzelte und die Mauern zeigten. Die Sänger trugen Gewänder, Palästinensertücher und Kopfbedeckungen. „Schweigend bin ich eingetreten nach der langen Pilgerfahrt, knie nieder um zu beten, suche Gottes Gegenwart“, sang eine Solistin. Manche Lieder waren ruhig, andere erinnerten an Gospelgesänge, zwischendurch wurden Psalme vorgetragen. Der Chor klatschte, schnipste oder wippte bei den Liedern mit und steckte damit das Publikum an.

Nach etwa 20 Minuten begann der zweite Teil. Die idyllischen Bühnenbilder wurden gegen Leinwände mit Häuserdächern getauscht. Die Schüler zogen ihre Gewänder aus, darunter trugen sie schwarze Kleidung. So wurde das „heutige Jerusalem“ dargestellt, mit Tourismus und Gewalt. Mit dem Schlagzeug, dem Bass und der Gitarre wurde das Marschieren von Soldaten inszeniert. „Trennt euch von der rosa Brille, hier ist nicht das Paradies!“ sang eine Schülerin aus dem Chor. Es werden Nachrichten über Attentate, Judenverfolgung und Kriege vorgelesen, die immer lauter werden und sich nach und nach zu einem Stimmengewirr überlagern, das plötzlich verstummt.

Der dritte und letzte Teil zeigt das zukünftige, himmlische Jerusalem. Dazu werden die bunten Chor-Shirts übergezogen, sodass die Atmosphäre direkt viel freundlicher wirkt. Außerdem wird zum letzten Mal das Bühnenbild verändert. Die Leinwände zeigen nun himmlische Tore zum neuen, friedlichen Jerusalem. „Gott macht alles neu: den Himmel und die Erde“, sang der Chor. Zum Abschluss gab es eine Diashow, die Fotos der Menschen und Gebäude Jerusalems zeigen.

Die gut gefüllte St. Martins-Kirche war begeistert. Nach mehr als eineinhalb Stunden Programm gab es stehende Overtionen und jede Menge Applaus für die jungen Musiker und ganz besonders für Organisator Markus Pytlik. Nach einer Zugabe war der Auftritt vorbei. Was übrig bleibt, sind bewegte Besucher. Angela Bach (46) hat die Darbietung sehr gut gefallen: „Ich wusste zwar, dass die Arrangements von Markus Pytlik besonders sind, aber das war wirklich toll.“ Rainer Kinzel (52) war von dem Auftritt angetan: „Das Stück hat auf einen eingewirkt, man denkt später noch darüber nach.“

Der Chor hat das letzte Wochenende jeden Tag mehrere Stunden geprobt. Das hat sich gelohnt, findet Jennifer von Franken (19). Sie sang mehrere Soli bei den Auftritten: „Mir hat das Stück selbst auch sehr gut gefallen, weil es etwas ganz anderes ist.“ Schülerin Kristin Frank (17) singt im Chor und ist gleicher Meinung: „Außerdem regt es zum Nachdenken an, dass wir heute noch dieselben Probleme haben wie vor 20 Jahren. Beim Auftritt selbst hat alles gut geklappt.“ Auch Dirigent, Organisator und Musiklehrer Markus Pytlik war nach dem ersten Abend sehr zufrieden: „Es waren noch ein paar kleine Patzer drin, aber alles in allem war das gut.“ Am Ende wurde viel gespendet, was den Erfolg noch einmal bestätigte.

 

Linda Rüpprich

Zeichnung von Jerusalem