Auf den Spuren Anne Franks

Stell dir vor, jeder einzelne Schritt könnte dich verraten, jedes noch so kleine Geräusch. Du kannst nicht ins Bad, weil es zu viel Lärm machen würde, darfst den Wasserhahn nicht laufen lassen, darfst nicht zu laut reden. Zudem die tägliche Angst, entdeckt zu werden, und ein Leben mit zwei Familien auf engstem Raum.

Erscheint dir unrealistisch? Vor gar nicht mal so langer Zeit war dies Alltag eines Mädchens und das gar nicht mal so weit weg von hier. Es war der Alltag von Anne Frank, als sie sich mit ihrer Familie und einer weiteren in ihrem Versteck im Hinterhaus in Amsterdam befand.

Das Hinterhaus

Das Hinterhaus

Einführung im Anne Frank Haus

Einführung im Anne-Frank-Haus

Mit ihrem Leben haben sich schon viele beschäftigt und so auch der Literaturkurs Theater der Stufe Q1 am K-A-G. Am Ende dieses Schuljahres wird er die Geschichte Anne Franks in der Schulaula aufführen. Schon seit Beginn des Schuljahres probt der Kurs für diesen Abend. Um sich die Situation aber besser vorstellen und noch realistischer darstellen zu können, machte der Kurs am 14. Februar 2019 mit Kurslehrer Markus Pytlik und Religionslehrerin Regina Smoch-Daub einen Ausflug nach Amsterdam, der von der Konrad-Adenauer-Stiftung mitfinanziert wurde. Dort informierten sie sich über jüdische Spuren und das Leben der Anne Frank.

 

Grachtenfahrt

Grachtenfahrt "Jüdisches Leben in Amsterdam"

Abfahrt war gegen 7 Uhr vom Schulhof, es hieß also früh aufstehen. Doch es folgte erst einmal eine etwa dreistündige Fahrt, die die meisten nutzten, um den eingebüßten Schlaf nachzuholen. In Amsterdam angekommen, ging es direkt los mit dem Programm. Aufgrund der Verspätung war keine Zeit für eine Pause. Somit hieß es vom Bus ins Boot und los ging die Grachtenfahrt! Durch die Grachten (für alle, die es nicht wissen, das sind Kanäle, die durch Amsterdam fließen) fuhren wir an etlichen Häusern vorbei und besichtigten die Stadt. So fuhren wir durch das ehemalige jüdische Viertel, von dem heute nichts mehr übrig sei, wie die Führerin erklärte. Nachdem die ganzen Juden, die dort wohnten, deportiert worden seien, standen die Häuser leer. Als aber 1945 der kalte Winter kam, nutzen die Amsterdamer Treppenstufen und alles Mögliche andere Holz aus den Häusern zum Heizen. So blieb nichts mehr von den Häusern übrig. Insgesamt schipperten wir 1 ½h durch die Grachten und lauschten der Führerin, die uns auf jüdische Spuren aufmerksam machte. Mochte es nun ein Haus mit versteckter Synagoge im Keller sein, die während des zweiten Weltkrieges genutzt wurde, oder eine große Synagoge, die heute noch steht. Zudem erzählte sie auch, dass durch die NS-Zeit der Judenanteil in Amsterdam drastisch gesunken sei.

Nach der Grachtenfahrt, es war mittlerweile 12 Uhr, folgte eine Pause, die jeder nach seinem Belieben verbringen durfte. Klar, dass da erst einmal ganz viele losrennen, um schnell zu shoppen. Treffpunkt war danach am Anne-Frank-Haus, wo es um 13 Uhr weiterging. Es folgte eine Einweisung, wie das Leben in Amsterdam zu der Zeit war und wie es dazu kam, dass die Familie Frank in die Niederlande ging und sich dort versteckte, bevor schließlich das Highlight des Tages kam: die Besichtigung des Hinterhauses, in dem sich die Familie zwei Jahre lang versteckt hielt. Es war ganz kahl und leer, denn Otto Frank, Annes Vater, der als einziger der Familie den Holocaust überlebt hatte, wollte nach seiner Rückkehr nicht, dass das Haus wieder eingerichtet wird. Jeder Besucher solle die Leere spüren, die er empfand, als er zurückkam in das Haus, das die Nazis ausgeräumt hatten. Und das tat man. Auch wenn hier und da noch Bilder oder andere Spuren an den Wänden waren, spürte man die Leere. Der geringe Lichteinfall trug zudem dazu bei, dass man die Beklemmung nachvollziehen konnte, die die Familien wohl empfunden haben mussten. Ging man durch die Räume, so konnte man sich schwer vorstellen, dass in diesen winzigen Zimmern mehr als eine Person geschlafen hatte.

 

Wand in Annes Zimmer

Wand in Annes Zimmer

Gang durch das Bücherregal

Gang durch das Bücherregal

Auch Schülerin Lisa Lünenschloss findet: „Da wir uns jetzt schon ein halbes Jahr mit Anne Frank und dem Leben in dem Hinterhaus beschäftigt haben, war es wirklich ein besonderer Moment, an genau dem Ort zu sein und durch die engen Räume zu gehen, in denen die Familie Frank und die anderen Mitbewohner sich 2 Jahre versteckt haben. Ich fand es sehr bewegend und emotional, die original Postkarten, Tagebuchausschnitte und Bilder an den Wänden zu sehen und sich vorzustellen wie der schwierige Alltag für die Familien ausgesehen haben muss! Mir persönlich hat besonders der Besuch im Anne-Frank-Haus sehr weitergeholfen mich mit meiner Rolle, Edith Frank (die Mutter Annes), zu identifizieren, um ihre Gedanken und Gefühle möglichst authentisch darstellen zu können!“

Nach dem Besuch ging es zurück nach Langenfeld, wo wir nach einigen Unannehmlichkeiten und Verspätungen schließlich gegen 21 Uhr ankamen.

Franka Nordmann (Q1)